6 | Dada lebt! – Der Ben Watson Quiz

Von der kreativen Sprachvermischung, der sich Joyce im warmen, aber multilingualen Triest begeistert gewidmet hat, zum Dada ist es nur ein kleiner Schritt. In der Evolution der Kunst ist der Dadaismus nach Walter Benjamin ein Schock, der zunächst auf die Unverwertbarkeit des Kunstwerkes zielte. Damit ist Dada heute natürlich grundsymphatisch – in einer Welt, in der selbst ein mäßig begabte Comic-Zeichner mit pseudo-verrätselten Ölgemälden voller Sozialismus-, Evangelen- und Brot- und Bauern-Symbolik zu einem der Großexporteure in neureiche amerikanische Wohnzimmer werden konnte…

Aber die Nichtverwertbarkeit ist vermutlich auch die einsamste aller Utopien – sie kann man sich nur leisten, wenn man sich sie leisten kann. Will sagen, auch die Dadaisten wollten leben und waren vermutlich aus diesem Grunde historisch betrachtet ein relativ flüchtiges Phänomen.

Für Walter Benjamin sind dadaistische Gedichte „`Wortsalat´, sie enthalten obszöne Wendungen und allen nur möglichen Abfall der Sprache“. Was das heute heißen kann zeigt auf erfrischend unkommerzielle Weise Ben Watson, der, wenn man seine Veröffentlichungsliste betrachtet, es wohl ernst meinen muss mit dem Dada. Denn die Verwertbarkeit seiner euphorisch komplexen, aber immer an dem Randgruppen-Helden Frank Zappa entlang tastenden Veröffentlichungen können nicht ernsthaft auf ihre ökonomische Verwertbarkeit hin geschrieben worden sein. Das hält Watson nicht davon ab, aus ihnen zu zitieren, oder zitieren zu lassen. Jedenfalls mussten die Teilnehmer des Ben-Watson-Quiz auf der Zappanale in Bad Doberan aus einem seiner Werke vorlesen – und zwar nicht nur die Buchstaben, sondern auch endlose Reihen von kleinen Zeichnungen, die mitten in den Text eingestreut waren – Wortsalat mit Dressing, sozusagen…

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